Die Diagnose- und Förderklasse
an der Grundschule Öschelbronn

Eine Kooperation von Grund- und Förderschule

Vorgeschichte

Bis zum Schuljahr 2002/2003 gab es im Oberen Gäu keine Fördermöglichkeiten für vom Schulbesuch zurückgestellte Kinder. Nur in Öschelbronn wurde eine kleine Gruppe von zurückgestellten Kindern im Rahmen der „Förderung auf dem Lande“ an zwei Vormittagen (insgesamt 5 Wochenstunden) betreut.
Im Schuljahr 2002/2003 wurde dann mit der Zustimmung aller Schulleitungen des Oberen Gäus in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Schulamt Sindelfingen und im Rahmen der Kooperation mit der Albert-Schweitzer-Förderschule in Herrenberg eine Diagnose- und Fördergruppe in der Grundschule Öschelbronn eingerichtet.
Seit dem Schuljahr 2004/2005 nennt sich diese Einrichtung Diagnose- und Förderklasse. Die Kinder haben nun Schulkindstatus und werden nach dem Beenden des Schuljahres in die Klasse 1 ihrer Heimatschule übernommen.

Allgemeine Rahmenbedingungen

Die Diagnose- und Förderklasse ist innerhalb des Schulhauses in einem den Erfordernissen entsprechend eingerichteten Klassenzimmer untergebracht. Die Lernumwelt ist so gestaltet, dass sie die Kinder zum Spielen, zum Probieren, zum Erkunden, zum Fragen und Problemlösen anregt und ermuntert werden. Das Klassenzimmer enthält verschiedene Aktivitätszonen sowie eine freie Fläche für gemeinsame Unternehmungen der Klasse (Bauecke, Kuschelecke, Einzelarbeitstische, Gruppentische, Küchenzeile, …..).
Die Diagnose- und Förderklasse nimmt an allen die ganze Schule betreffenden Veranstaltungen (Theaterfahrt, Bundesjugendspiele, Projekt Vorlesezeit, klassenüber-greifende Projektwochen, usw.) teil und ist voll in den täglichen Schulablauf integriert.
Die Unterrichtszeit beträgt 20 Wochenstunden. Die Kinder haben täglich von 8.35 Uhr bis 12.05 Uhr Unterricht. Im Anschluss daran erhalten die Kinder ein Mittagessen und werden bis 15.00 Uhr in der Kindertagesstätte Josef-Haydn-Weg von einer Erzieherin betreut. Diese Nachmittagsbetreuung beinhaltet vielfältige Angebote im sozialen, kreativen und bewegungserzieherischen Bereich.
Die Kinder werden morgens von einem Taxiunternehmen zu Hause abgeholt und zur Schule gefahren und um 15.00 Uhr wieder heimgebracht. Die Öschelbronner Kinder werden von ihren Eltern gebracht und abgeholt.

Die Klasse wird im Team geleitet von einer Sonderschullehrerin (14 Deputatsstunden) und einer Grundschullehrerin (14 Deputatsstunden). Somit ist die Klasse in 8 Wochen- stunden doppelt besetzt. Zusätzlich wird in den beiden Sportstunden mit einer 2. Klasse kooperiert.

Ziel der Diagnose- und Förderklasse

Die Aufgabe der Diagnose- und Förderklasse ist es, die Kinder zur Grundschulfähigkeit zu führen. Dies setzt die Notwendigkeit einer entsprechenden Diagnose und Förderung voraus.

Aufnahmekriterien und Aufnahmemodus

Schulpflicht bedeutet nicht gleich Schulfähigkeit. In die Diagnose- und Förderklasse werden Kinder aufgenommen, die vom Alter her schulpflichtig, von der Reife her aber noch nicht schulfähig sind, da gravierende Mängel in der Entwicklung vorliegen.
Die in Frage kommenden Kinder werden auf folgende Weise erfasst:
Gespräche zwischen Erzieherinnen, Eltern, Kooperationslehrerin Kindergarten/ Grundschule, verschiedenen Beratungsstellen, Aussage des Arztes bei der schulärztlichen Untersuchung.
Die Kinder werden im Einverständnis mit den Eltern getestet.
Die Anmeldung erfolgt durch die Eltern über die entsprechenden Heimatschulen.
Die Auswahl der Schüler und Schülerinnen erfolgt in Zusammenarbeit aller beteiligten Schulen und dem Staatlichen Schulamt Böblingen.
Kinder bei denen ein sonderpädagogischer Förderbedarf festgestellt ist, können nicht in die Diagnose- und Förderklasse aufgenommen werden.
Die Diagnose- und Förderklasse wird von den betreffenden Kindern für 1 Jahr besucht.
Der Besuch der Diagnose- und Förderklasse zählt als Schulbesuchsjahr, das bedeutet, dass während der Grundschulzeit eine freiwillige Wiederholung nicht mehr möglich ist.
Aus den Beobachtungen, den Fördermaßnahmen und den erreichten Ergebnissen resultiert der abschließende ausführliche Schulbericht. Er enthält eine Empfehlung für die weitere Schullaufbahn des Kindes.

Konkrete Arbeitsmethoden

Die Ursachen für die noch nicht ausreichende Grundschulfähigkeit liegen in Entwicklungsverzögerungen im körperlichen, kognitiven, motivationalen und sozial-emotionalen Bereich.
Zu Beginn des Schuljahres liegt der Schwerpunkt der Arbeit besonders in der Stärkung der sozialen Kompetenzen und der Gruppenfähigkeit.
Die Diagnose bei allen Kindern zielt zunächst darauf ab, die bestehenden Lernprobleme der Kinder festzustellen.
Gezielte Beobachtungen in Spiel- und Lernsituationen geben Aufschluss über die individuelle Situation des Kindes und bestimmen die jeweils erforderlichen individuellen Fördermaßnahmen.

Förderung der motorischen Fähigkeiten
• Allgemeine Motorik (Training des Gleichgewichts und der Koordination), Körperschema
• Feinmotorik (Linienführung, malen, ausschneiden, usw.)
• Konzentration physische Belastbarkeit
• Konzentration über einen längeren Zeitraum hinweg (Ausdauer)
• Konzentration (Genauigkeit bei einer Aufgabe)
• Auge-Hand-Koordination

Schaffung von Spiel- und Sprachanlässen
• Kontaktaufnahme in der Gruppe
• Arbeiten in der Gruppe
• Ansprechbarkeit in der Gruppe

Lernfähigkeit allgemeiner Art
• Erfassen und Umsetzen von Inhalten, wie z.B. im sprachlichen Bereich
• Entwicklung der Lese- und Schreibfähigkeit
• Entwicklung des Mengen- und Zahlenbegriffs
• Entwicklung psychischer Grundfunktionen
• Wahrnehmung (auditiv, visuell, kinästhetisch, taktil)
• Gedächtnis (auditiv, visuell, mittelfristiges Behalten)
• Denkvermögen (folgerichtiges Denken, Erfassen von Beziehungen und Gesetzmäßigkeiten)

Sprachentwicklung
• Förderung auf allen Sprachebenen. Wortschatz, Aussprache, Grammatik
• Entwicklung von Sprachbewusstheit, metasprachliche Fähigkeiten
• Symbolverständnis
• Zuordnung von Schriftzeichen und Sachen
• Entwicklung der Lesefähigkeit
• Verstärkung einer erfolgszuversichtlichen Leistungsmotivation

Persönlichkeitsentwicklung (Ich-Bewusstsein, Ich-Stärke)
• Stärkung des Selbstbewusstseins (z.B. durch Übernehmen von Aufgaben in vielen Situationen des Alltags)
• Förderung der Eigenständigkeit
• Anregung von Neugierde und Interesse
• Förderung von Flexibilität, Kreativität und Zuverlässigkeit
• Bewerten eigener Leistung

Persönlichkeitsentwicklung (Selbststeuerung, Planung, Kontrolle)
• Stabilisierung der sozialen und emotionalen Entwicklung
• Förderung der Gruppenfähigkeit (z.B. Rücksichtsnahme, Hilfsbereitschaft, usw.)
• Entwicklung der Selbststeuerung
• Anbahnung und Aufbau einer positiven Arbeitshaltung (Selbstständigkeit, Leistungsmotivation, Reaktion auf Erfolg und Misserfolg)

Alle Punkte müssen im Gesamtzusammenhang gesehen werden; sie überschneiden sich teilweise und bieten somit breit gefächerte Ansatzpunkte für die Entwicklung und Förderung der Kinder im körperlichen, emotionalen, sozialen und kognitiven Bereich.
Durch entsprechende Stabilisierung dieser Lernvoraussetzungen werden notwendige Hilfen für die spätere Schullaufbahn geschaffen.

Förderung der Kommunikationsfähigkeit
• Wahrnehmungslernen, Spracherwerb, Hörerziehung und rhythmisch musikalische Erziehung sind in die Förderung zur Entwicklung kommunikativer Kompetenzen mit eingebunden. Kommunikationsbereitschaft und -fähigkeit werden in vielen Handlungs- und Erlebnisfeldern gefördert, was sich zugleich positiv auf die emotionale und auch soziale Entwicklung der Kinder auswirkt.

Die Lernsituationen werden so gestaltet, dass ein ganzheitliches, d.h. alle Sinne ansprechendes Lernen ermöglicht wird.
Die inhaltliche Arbeit vollzieht sich in kindgemäßen Einheiten. Das Team erstellt einen Arbeitsplan für einen längeren Zeitraum. Das Wochenthema sowie Wochenpläne schaffen Handlungssicherheit und begünstigen eine ausgewogene Beanspruchung und Förderung der Kinder.

Zusammenarbeit mit Eltern und weiteren Institutionen

Eine angemessene Entwicklungsförderung verlangt die intensive Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten. Die Planung der Fördermaßnahmen erfolgt gemeinsam mit den Eltern und wird immer wieder dem aktuellen Entwicklungsstand des Kindes angepasst. Dazu werden regelmäßige Elternabende angeboten und häufig intensive Einzelgespräche mit den Eltern geführt.
Gemeinsame Aktionen mit Eltern, Kindern und Lehrerinnen tragen zum gegenseitigen Vertrauen und der Bewusstwerdung der gemeinsamen Verantwortung bei.

Kontakte zu den abgebenden Kindertagesstätten und „Übergabegespräche“ erfolgen jeweils zu Beginn des Schuljahres.
Der Austausch mit behandelnden Ergotherapeuten und Logopäden, sowie die Zusammenarbeit mit Therapeuten, Psychologen, der Entwicklungsneurologie der UK Tübingen und diversen schulischen Einrichtungen (z.B. Kooperation mit der Schule für Hörgeschädigte, mit der Kooperationsbeauftragten für autistische Kinder, usw.) sowie mit dem Jugendamt und anderen Beratungsstellen erfolgt je nach Erfordernis.